Beyond Order and Reason

Kürzlich hab ich mein Arbeitszimmer aufgeräumt. Ich mag Ordnung, aber sie zu halten ist nicht so mein Ding. Woche für Woche kommen ja Sachen hinzu. Vor allem Papiere, aber auch Bücher, Zeitschriften, Gadgets. Was im Moment des Bestellens so wichtig scheint, bleibt oft ungelesen in einem Regal. Ausgediente Handys und andere Elektronika, Fotos, Texte … entsorgen oder aussortieren ist umständlich und wer weiss, was man später mal brauchen könnte, also nicht einfach wegwerfen.  Die eingehende Post, gewünschte und unerwünschte, geht in die „erledig ich später“ Beige. Und so wachsen die Stapel, die Schränke und Festplatten füllen sich.  Vieles ist unwichtig, einiges vielleicht doch relevant, und das zu unterscheiden kostet Zeit und Denke.

Welch ein Kontrast  der Besuch bei Werni, unserem Nachbar, seit kurzem im Pflegeheim. Er ist 91 und verwirrt.  Altersdemenz.  An einem guten Tag erkennt er einem.  Für ihn gibts keine Ordnung oder Unordnung mehr. Ein Zimmer, ein Bett und Kleider, die zu anziehen ihm ein Pfleger hilft. Keine Informationen zu sortieren, keine Rechnungen zu bezahlen,  keine Pläne zu schmieden. Irgendwann gilt für alle: Was heute wesentlich scheint ist morgen nichts mehr wert. Ob Besitz, Bedeutung oder Beziehungen – loslassen ist angesagt. Ist was hinter dem Hügel? Further On Up The Road (Johnny Cash), Beyond The Horizon (Bob Dylan) ?

Im neuen Jahr wünsche ich euch allen die Musse und den Willen, tiefer zu graben.

Merry Christmas

Today I stumbled over an FB update that fascinated me. It pointed to videos taken two days ago at the north exit of my favorite tunnel. Besides showing the door to what I consider my earthly nostalgia paradise, the images of the train slowly making it’s way through the snow made me think of …

… Slow Train Coming, a 1979 Bob Dylan Album which I listened to often at a turning point in my life. Long before the recent financial turmoils, the lyrics fit our times better than ever.

„… People starving and thirsting, grain elevators are bursting
Oh, you know it costs more to store the food than it do to give it
They say loose your inhibitions, follow your own ambitions
They talk about a life of brotherly love, show me someone who knows how to live it
There’s slow, slow train coming up around the bend. …“

I wish us all a ton of brotherly love and an eternal ride on the slow train.

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Ostern: Fakt oder Fiktion?

Das höchste Fest der Christenheit hängt wie Weihnachten in der Balance zwischen Kitsch und Gleichgültigkeit. Für manche ist der Ostersonntag einer von zwei jährlichen Kirchenbesuchen. Andere nerven sich ab der aufgezwungenen Langeweile des eventarmen Wochenendes. Und überall gibt es Hasen und Eier,  was die wohl mit Ostern zu tun haben? Einen spannenden Artikel zum Osterereignis war kürzlich im GEO. Redakteur Cay Rademacher fügt darin die Forschungsergebnisse von Archäologen, Philologen, Theologen und Althistorikern zu einer historischen Reportage über die letzten 120 Lebensstunden von Jesus zusammen.

> Zur GEO Reportage

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Sic transit (loslassen)

Mein Schwiegervater ist Uhrmacher. Seit ein paar Jahren mag er nicht mehr Uhren reparieren und der Umzug in eine kleinere Wohnung steht an. So half ich ihm kürzlich, sein Atelier zu räumen. Aber Werkzeuge, Zahnrädchen, Spiralfedern, Schrauben, Blechschachteln einfach wegwerfen? Schwierig. Für den Arbeitstisch allein verbrachten wir einen ganzen Tag zusammen. Schublade um Schublade. Zu jedem Teil, das er in die Hand nahm, erzählte er mir die Funktionsweise. Und manchmal eine Anekdote dazu. Dann warfen wir es in den Schrottkübel – siehe Fotos – oder legten es in eine Schachtel für den Umzug. Dass er die Sachen am neuen Ort auspackt glaube ich kaum.  ER hat Abschied davon genommen, wenn auch nicht ganz.

Loslassen. Ein paar interessante Gedanken dazu hab ich im Yoga-Blog von Su aufgeschnappt. Und ergänze: Als Christ freue ich mich auf einen Bestimmungsort, wo ich keine Dinge brauche. Wenn ich mich doch mal an solche hänge, hilft mir dieser Gedanke, deren Wert zu relativieren. Ballonfahrer kommen nur in den Himmel hinauf, wenn sie ihre Sandsäcke abwerfen.

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