Die Eule und der Waldfreund

Heute Nebel. Kein Grund, aufs Training zu verzichten, schlussendlich ist der Winter noch lange. Ich komme erst um vier Uhr vom Büro los, es dämmert. Schuhe schnüren, gen Uetliberg lostrotten. Bei der SZU-Station Ringlikon kommt mir der Waldmann in den Sinn. Im Sommer traf ich ihn oft auf seiner Bank an der Sonne. Die letzten paar Mal hab ich ihn vermisst. Bleibt er im Winter zuhause? Bei diesem Nebel… Ich schicke trotzdem einen Jauchzer über die Gleise. Und höre da, vom Waldrand kommt eine Antwort. Ein Jodelruf, wie ich ihn oft an lauen Sommerabenden gehört habe. Bald schütteln wir uns die Hände wie alte Freunde. Doch doch, er sei auch im Winter hier, nur nicht so lange. Sei halt nicht das Gleiche, aber der Sommer komme ja wieder. Die Begegnung beflügelt mich, und so hechle ich auf dem Grat dem Kulm entgegen. Auf dem Rückweg im Wald ist es fast Nacht, ein paar unbestimmbare Lichter funkeln durch die Äste. Ganz in der Nähe ruft eine Eule.

Der Waldfreund hofft auch bei Nebel auf die Sonne

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Sunkiss

Blick aus dem Bürofenster zum Uetliberg, ich sehe ein Loch in der Nebeldecke. Sonne, wirst du dich küssen lassen? Schnell ziehe ich die Laufschuhe an. Noch vor Ringlikon schüttle ich die Brandungsgischt des Nebelmeers von meinen Füssen. Die Blätter leuchten wie Gold in der Abendsonne. Ich speichere jeden Blick. Das sind Eindrücke, die mich den ganzen Winter begleiten werden. Heute will ich einen neuen Weg probieren. Nach dem Teehaus Jurablick südwärts, weiter als sonst, über die erste Abzweigung hinaus. Die Sonne dringt immer wieder durch die Blätter, und ja, sie lässt sich küssen! Nochmals und nochmals. Irgendwann muss ich abbiegen, um den Berg zu erreichen, eine schwache Spur zeigt fast senkrecht nach oben. Sie führt an einer (bewohnten?) Hütte vorbei, dann durch geheimnisvolle Felsen. Mit Puls 180 fliege ich dem Uetzgi entgegen. Das Weglein trifft bei Ceres auf den Planetenweg. Ich laufe weiter, steige die Treppen zum Kulm und dann auf den Aussichtsturm. Die Sonne umarmt mich, ich möchte noch weiter hinauf, hab keine Flügel. Oder auf der Plattform verweilen, die Aussicht ist atemberaubend. Auf der einen Seite die Sonne über dem Nebel, am Horizont die Alpen. Auf der anderen die Stadt, grau und vermeintlich still, halb im Dunst, halb im Schatten des Berges. Aber die Arbeit, die mich eine Sonnenpause lang entbehrt hat, fordert ihre Zeitschuld zurück. Also rasch hinunter, wieder auf goldenen Pfaden, unter goldenen Blättern, das Licht berauscht mich. Der Nebel mag unten auf mich warten, die Sonne kommt im Herzen mit. Ein letzter Kuss, dann der Schattenseite der WSL entlang zur Dusche. Ins Büro. Nach Hause. Morgen ist ein neuer Tag.

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